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Und schwupps ist es Juni, sogar schon eine ganze Woche. Rosenduft weht durch den Garten und meine liebe Nachbarin meint, es blühe gar zu doll bei mir. Alles gleichzeitig. Einerseits stimmt das, andererseits päpple ich grade die ausgepflanzten Minis durch die heißsonnige und trockene Phase dieses Frühsommers, der schon ganz und gar augustig tut. Die werden erst Ende Juli, Anfang August blühen. Immer mehr Pflanzen gilt es zu gießen, was mich heute früh glatt drei Stunden beschäftigt hat. Meine Rosen haben Läuse, die ich mit scharfem Wasserstrahl abspritze oder zwischen den Fingern zerreibe. Nicht angenehm, aber wirkungsvoll. Gift will ich nicht nutzen im Hausgarten. Rhabarber, Holunderblüten sind schon zu Gelee bzw. Konfitüre verarbeitet oder zu Kompott. Erdbeeren nasche ich fast jeden Tag. Heute gab es den ersten Kohlrabi, gleich roh zum Mittag. War der aromatisch und süßlich! Ansonsten lähmt mich das Wetter ab 10 Uhr früh. Wenn ich draußen etwas tun will, steh ich besser schon um 6 im Garten. 

Radieschen sind neu ausgesät, Gurken leiden etwas wegen der Trockenheit, Rucola und Kräuter habe ich schon ernten können, die Beeren wachsen und der Wein setzt Blüten an. Der kleine Pfirsich hatte drei Früchte angesetzt, einer ist noch übrig und wächst langsam vor sich hin. Ich lobe ihn jeden Tag ;-). Und abends sind die Mücken heftig aktiv. Die Schau- und Freurunde zum Tagesabschluss endete gestern mit etlichen Quaddeln. 

       

Prunkwinde aus eigner Zucht                             rote Schmankerl                         Kunst und Blüte 

  

 Rittersporne in verschiedenen Farben leuchten mit Rose Leonardo da Vinci um die Wette!              

Der Garten - Ein Ort im Inneren, wie im Äußeren

Alles fing an mit dem Schrebergarten meiner Eltern. Da gab es Kirschen und Äpfel, lila Flieder, der herrlich duftete, und jede Menge Blumenrabatten. Die Bauerngärten meiner Großmütter zeigten mir den vorwiegend nützlichen Aspekt. Da gab es vor allem Gemüse. Die Erbsenschoten palte ich genüsslich auf dem Deich aus, wo die Grashüpfer zirpten und die Frösche quakten. Damals gab es in den Wiesen noch unzählige Froschkinder und dementsprechend auch viel mehr Störche.

Heute verbindet mich der Garten mit der Natur. Er ist ein Ort, wo ich sie mitgestalte; wo ich auswähle, was wachsen und blühen soll. Der Garten fordert mich heraus, drängt nach Gestaltung und ist für mich ein Gleichnis für andere Bereiche meines Lebens, zum Beispiel mein Denken. Was mich stört, rupfe ich aus. Was mich freut, pflege ich.

Im Sommer 2016 habe ich meinen Garten in Lochau mit einem Gärtner neu gestaltet. Es sollte der Rasen sich in Wege, Plätze und Beete wandeln. Die Beerensträucher, die am Rand wuchsen bauten wir weiter innen wieder ein und schufen so außen Platz für Sträucher wie Weigelie, Kolkwitzie und ihre vielen blühenden Kollegen. Im ersten Jahr habe ich mit einjährigen Blumen wie Cosmos, Bechermalven, Löwenmäulchen und Zinnien ein Blütenmeer gezaubert. Die haben meine frisch umgepflanzten Rosen allerdings fast verdeckt. Im zweiten Sommer (2018) werde ich damit etwas sparsamer umgehen, damit sich die Rosen besser entfalten können. So bietet mein Garten jedes Jahr ein neues Bild, neue Herausforderungen und Freuden. 

Wieder beherzige ich für Aussaat und Pflanzzeit die Ratschläge von Maria Thun. Mein Lieblingsgerät, die Durchziehhacke kommt zum Einsatz, sobald nach Regenfall der Boden abgetrocknet ist. Sie verschließt die Kapillaren im Boden, durch die sonst das darin enthaltene Wasser verdunsten würde, ohne den Pflanzen zu nützen.  Außerdem bleibt die Erde auf diese Weise locker und bietet dem Unkraut nicht so viele Möglichkeiten zum Einwurzeln.

Wege in geschwungenen Linien führen zu Plätzen, die zum Verweilen, Nachdenken und Lesen einladen. Möge die äußere ästhetische Form bei Besuchern und Betrachtenden innere Prozesse anstoßen und sie zu kreativem Ausdruck ver-führen. 

Es blüht und fruchtet wieder ... überall ...

    


                       

Und dann setz ich mich mittenrein und schaue und lese und freue mich. Vielleicht habt ihr ja Lust mich zu besuchen. Bringt einfach euer Buch mit oder leiht euch eins aus meiner stattlichen Bibliothek ...