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Zur Zeit lese ich viel in Jorge Bucay, "Komm, ich erzähl dir eine Geschichte", Fischer Taschenbuch, in der Übersetzung aus dem Spanischen von Stephanie von Harrach.

Ein Psychologe (Jorge), genannt "der Dicke" berät einen Klienten, genannt Demian, indem er ihm Märchen und Weisheitsgeschichten erzählt, die zu seiner aktuellen Frage bzw. Lebenssituation passen. Eine spannende Art der Therapie, wie ich finde. Besonders, weil ich auch immer den Eindruck hatte, dass ich aus Geschichten, insbesondere Märchen, aber auch aus eigenen Träumen, besonders gut lernen kann.

Es geht viel darum, sich selbst zu erkennen, sich selbst treu zu werden bzw. zu bleiben und eine gesunde Form der Selbstliebe zu entwickeln.

" Und plötzlich wusste ich Bescheid: Niemand würde mir sagen können, ob die Therapie etwas bringt oder nicht. Nur ich konnte wissen, ob sie mir etwas brachte, und diese Antwort galt nur für mich und nur jetzt, in diesem Moment." (S. 85)

"Wie schaffte Jorge das bloß, daß seine Sitzungen fast immer genau am Schluß einer Geschichte endeten? Wie gelang es ihm, mir eine Idee in den Kopf zu setzen, die mich die ganze Woche auf Trab hielt?" (S. 96)

Genau! Auch ich habe über den Sinn mancher Geschichte längere Zeit gegrübelt, über ihre Bilder meditiert. Mich von ihnen bewegen lassen durch meine gegenwärtige Lebenssituation. Wohltuend.

So bekommt dies Buch fürs Erste von mir ganz herzliche 8 (von 10) Blüten, weil ich noch  nicht ganz durch bin ;-) Ich melde mich wieder. Das Buch macht Lust auf mehr vom Autor.

Vor einiger Zeit:

Grad blätterte ich in Yoko Tawadas "Abenteuer der deutschen Grammatik". (Eine Freundin lieh es mir wegen der Sprachspielereien) Erschienen im Verlag Claudia Gehrke ist es ein 62ig-seitiges Gedichtbändchen voller schöner Sätze: "An einem gewöhnlichen Tag steht das Subjekt vorne" oder "Eine Hose kann nur im Deutschen tot sein".

Die Autorin hat eine sehr kreative Art, Grammatik zu betrachten. Damit beginnt das Bändchen - aber sie hat mehr zu bieten. Was genau, finde ich noch heraus, indem ich weiter darin blättere...

Nun habe ich das Buch beendet: "Was vom Tage übrig blieb" von Kazuo Ishiguro, der 2017 den Literaturnobelpreis erhielt; sein Roman ist bei Heyne erschienen. Der Klappentext verspricht die "bittersüße Liebesgeschichte zweier Bediensteter in einem englischen Herrenhaus", was für mich aber nicht hauptsächlich ausschlaggebend war, dies Buch auszuwählen;-)

Auf Seite 193 von insgesamt 288 spielt die Liebe bisher nicht wirklich eine Rolle. Butler Stevens, der seine Lebensgeschichte in der Ich-Form erzählt, hat die meisten seiner Lebensjahre im Dienst von Lord Darlington in Darlington Hall verbracht. Und von seinem Alltag, seinen Überzeugungen, seinem Berufsethos erfahren wir in auf mich  sehr authentisch wirkender Sprache. Von Dienstplänen, von der Kunst des Silberputzens, aber auch von großen Gesellschaften und den speziellen Herausforderungen, die diese für das Hauspersonal bedeuten. Insbesondere beeindruckt die Schilderung der Vorbereitung einer "inoffizellen" (laut Stevens) Konferenz, "die sich mit der Frage beschäftigen sollte, wie die härtesten Bestimmungen des Versailler Vertrages revidiert werden könnten." ( Zitat Seite 93) Ruhig und unaufgeregt kommt dieses Buch daher und stellt uns Stevens als einen eher hölzernen Typus vor, der große Mühe hat mit den humorvollen Anspielungen seines neuen Dienstherren Mr. Farradays, eines Amerikaners, umzugehen. Dieser schickt Stevens auf eine Rundreise durch England, während der der Butler Zeit hat sein Lebensresümee vor uns auszubreiten. Ab hier neu: Er will seine ehemalige Kollegin besuchen und abklären, ob sie vielleicht nach Darlington Hall zurückkehren möchte. Eine reine Vergnügungsreise, wie sie Mr. Farraday ihm spendieren wollte, kann er mit seiner Dienstauffassung nicht vereinbaren. Seine Angewohnheit sich selbst ständig zu reflektieren und sich Rechenschaft zu geben, ob sein Verhalten mit dem, was er unter "Würde" versteht, in Einklang ist, macht ihm ungezwungene Konversation unmöglich.

(Die Fähigkeit auf scherzhafte Bemerkungen von Mr. Farraday angemessen zu antworten, macht er zu seinem nächsten, ernsthaften Projekt) 

Seine Unfähigkeit Gefühle auszudrücken, lässt am Ende auch eine ehrliche Aussprache zwischen den beiden "verhindert" Liebenden scheitern.

Wie gesagt, ein ruhiges Buch, das mich aber keineswegs gelangweilt hat. Für stille Winterabende am Öfchenfeuer bestens geeignet - bloß nicht für Leser, die es gern etwas spannender mögen ;-)

Ich bin nun durch und gebe dem Buch für interessante Dramaturgie, authentische Sprache und gutes Einfühlungsvermögen des Autors in einen schwierigen Charakter 8 von 10 Blüten. (Die volle Blütenzahl gibt´s nicht, wegen einiger Längen, die das Buch denn doch hat.)