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Ja, es gibt Neues in Birgits Büchergarten... 

Jetzt, wo der Garten (außen) allmählich in die Winterruhe geht, wird es Zeit innere Welten und Gärten zu gestalten und zu besuchen.

Von der Verlagsgruppe Weltbild, herausgegeben von Ulf Diederichs sind 1992 drei Märchenbände erschienen mit einem Märchen für jeden Tag des Jahres. Die Märchen stammen aus verschiedenen Kulturen und ich finde, es sind wirklich schöne darunter. Einige von ihnen habe ich in meiner aktiven Zeit als Märchenerzählerin oft vorgetragen.

Heute möchte ich das Märchen vom "Gesundheitsbaum" vorstellen (von mir nacherzählt):

Ein Mann hatte drei Söhne. Als er merkte, dass es ans Sterben ging, rief er sie zu sich und vermachte ihnen seinen Obstgarten. Den sollten sie unter sich aufteilen. In dem Garten gäbe es einen Baum, dessen Früchte imstande wären, Kranke gesund zu machen. Welcher Baum das aber wäre, wollte er ihnen nicht sagen. Als er tot war, teilten die beiden Ältesten den Garten unter sich auf. Dem Jüngsten ließen sie nur einen Baum, der genau in der Mitte des Gartens stand. Sollte das dummerweise der Gesundheitsbaum sein, dachten sie, so könnten sie ja immerhin noch das Fallobst aufsammeln.

Eines Tages hörten sie, dass die Tochter des Königs erkrankt sei und derjenige, der sie wieder gesund machen könne solle sie zur Frau bekommen und das halbe Königreich als Mitgift dazu. Da machte sich der Älteste auf, füllte einen Korb mit den Früchten seiner Bäume und wanderte zum Schloss. Unterwegs begegnete ihm eine alte Frau. Die fragte ihn, was er denn in seinem Korbe habe. "Ach", antwortete er unwirsch, "er ist voller Kröten!" Da sagte die Alte: "Nun Jungchen, so sollen es Kröten sein."

Als er beim Schlosstor anlangte, wollten die Wächter wissen, was er vorhabe. "Ich habe Früchte in meinem korb. Die sollen die Prinzessin wieder gesund machen." Bevor sie ihn durchließen, wollten die Wächter aber einen Blick darauf werfen. Als sie das Tuch wegzogen, krabbelten lauter Frösche und Kröten darin herum. "Pfui!", schimpften sie, hauten dem Jungen die Hucke voll und jagten ihn davon.

Da machte sich der Zweitälteste auf den Weg. Dem begegnete auch die alte Frau. "Was hast du drin in deinem Korb?", fragte sie. "Schlangen und Blindschleichen", antwortete er und war genauso abweisend zu ihr wie sein Bruder. "Nun Jungchen, so mögen es Schlangen und Blindschleichen sein!" Da kam der Bursche ans Schlosstor und begehrte Einlass, damit die Früchte, die er im Korb habe, die Prinzessin wieder gesund machen könnten. "Lass uns erst sehen, was du im Korb hast", verlangten die Wächter. Als sie aber das Tuch vom Korb zogen, da wimmelte es nur so von ekligen Schlangen. Die Wächter wurden grob und hauten dem Jungen die Jacke voll, wie seinem Bruder.

Nun machte sich der Jüngste auf den Weg mit einem Korb voller Äpfel von seinem einzigen Baum. Als er ein  Stück gegangen war, kam er an ein großes Wasser. Am Strand jappste ein Hecht um Hilfe, den die Wellen an Land geworfen hatten. "Du armer Fisch, ich will dir wohl helfen", sagte der Junge und warf ihn wieder ins Wasser. Da rief der Hecht ihm zu, dass er, falls er einmal in Not geraten sollte, auf ihn zählen könne. Er solle einfach nach ihm rufen. Da ging der Junge weiter und sah bald einen Bienenschwarm und einen Raben. Die waren aneinander geraten und kämpften. Der Junge hielt ihnen vor, wie unvernünftig sie doch wären. Sie hätten doch alle Flügel und könnten jeder in einer anderen Richtung davon fliegen, statt sich zu bekämpfen. Das sahen die Bienen und der Rabe schließlich ein und sagten ihm für die Schlichtung ihres Streites Hilfe zu, falls er sie einmal brauchen sollte.

Kurz darauf begegnete ihm die Alte, grüßte ihn und wollte wissen, was er im Korb trage. "Dir auch einen guten Tag", antwortete er. "In meinem Korb sind Gesundheitsfrüchte."

Sie lächelte und sagte: "Nun Jungchen, so sollen es Gesundheitsfrüchte sein." Wie er nun ans Schlosstor kam, wollte auch bei ihm die Wächter erst in den Korb schauen. "Du glaubst ja nicht, was wir heute schon alles erlebt haben!", sagten sie. Als er das Tuch vom Korb hob, waren darin die schönsten Äpfel. Einer der Wächter wollte probieren, da es ihm den Tag über gar nicht wohl gewesen war. Als er von einem Apfel abgebissen hatte, wurde ihm so wohl und leicht, da durfte der Jüngste gleich durchgehen zum Schloss. Wie nun die Prinzessin von einem Apfel gekostet hatte, wurde sie sofort gesund und tanzte vergnügt im Zimmer herum. Der König wollte die beiden vermählen, wie es versprochen war. Aber die Prinzessin hatte Zweifel, weil es doch ein so armer Bursche war, den sie da heiraten sollte. Sie verlangte von ihrem Vater: "Lass ihn erst den Ring vom Grund des Meeres holen, den du vor vierundzwanzig Jahren dort verloren hast." "Gut.", sprach der König. "So soll es sein." Erst war der Junge ratlos, wie er das anstellen sollte, aber dann fiel ihm der Hecht ein. Er ging zum Ufer,  rief ihn und bat ihn um den Ring. Gar nicht lang, da kam der Hecht damit angeschwommen. Glücklich brachte der Junge den Ring ins Schloss. Aber die Prinzessin war immer noch nicht zufrieden. "Erst soll er ein Schloss aus Wachs bauen, das in der Morgensonne glänzt!" Der König gestand ihr auch diese Prüfung zu. Da setzte sich der Jüngste hin und weinte, weil er sich keinen Rat wusste. Aber dann fielen ihm die Bienen ein. Er rief sie herbei und erzählte von seiner Not.

Fortsetzung folgt (ich muss erst mit dem Hund raus ;-)

 

 

Ganz aktuell ein Buchtipp, den Sie unter der Rubrik "Lesestoff" finden. In diesem Fall geht es um eine Form der Therapie mit Märchen und Weisheitsgeschichten ...

Schon ein paar Tage her:

Ich traf mich mit meiner Freundin Monika. Wir betrachteten das Märchen "Die vollkommene Schale" in einer Erzählfassung von Heidi Christa. Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich es hier natürlich nicht im Ganzen abdrucken - aber der Inhalt ist schnell erzählt und besonders sprechende Stellen kann ich als Zitat und eingefärbt wiedergeben:

Ein berühmter Töpfer erregt die Aufmerksamkeit des Kaisers. Dieser verlangt von ihm die vollkommene Schale. Dafür erwarten ihn Ruhm und reicher Lohn. Beim ersten Versuch schafft der Töpfer eine schöne Schale, die aber den hohen Ansprüchen des Kaisers nicht gerecht wird. Der Ton des Kaisers wird strenger. Der Töpfer fertigt dann "eine große, prächtige Schale, die in vielen Farben schimmerte". In Feierkleider gewandet trägt sie der Töpfer zum Kaiser. Dieser findet sie zwar schön, aber vollkommen sei sie nicht. Diesmal droht er unverhohlen, dass der Töpfer sein Leben verliert, wenn er nicht binnen eines Jahres die vollkommene Schale schafft.

Der Töpfer fragt den Kaiser, wie er denn das anfangen solle. Er habe doch die beiden ersten Schalen schon nach allen Regeln seiner Kunst erschaffen. Der Kaiser rät ihm: "Vergiss alles, was du gelernt hast - und du wirst die vollkommene Schale schaffen..."

(in meinem Verständnis betont er dabei das Wort "gelernt")

Nun arbeitet der Töpfer wie besessen. Er berücksichtigt keine anderen Aufträge mehr von Nachbarn, die ihn um Tassen und Teller bitten. Das Jahr ist fast um, und der Töpfer bekommt große Angst um sein Leben. Da hat er in der Nacht einen Traum. In einer Höhle entdeckt er "die schönste Schale, die er je gesehen hat." Der Traum rührt ihn zu Tränen. Er versucht, diese Schale zu formen. Es gelingt ihm eine, die ihr zumindest ähnlich sieht, und er stellt sie "oben auf das Regal". Dann fertigt er endlich all die Dinge, um die ihn die Nachbarn gebeten haben - und vergisst den Kaiser. Der gerät in Zorn, lässt ihn vor sich rufen. Der Töpfer geht, wie er ist, hüllt die Schale ins "nächstbeste" Tuch. Schon will der Kaiser aufbrausen, da öffnet der Töpfer das Tuch."Es war eine kleine Schale und sie war ganz einfach - und doch breitete sich eine große Stille im ganzen Saal aus."

Nun will der Kaiser den Töpfer reich belohnen. "Der Töpfer aber lächelte, verneigte sich und ging."

Wir hatten große Freude an dem Märchen und spekulierten drauflos, was unsere Assoziationen zu den Begriffen "Schale", "Kaiser", "was man gelernt hat", "vollkommen", angeht. Gemeinsam machte das soviel Spaß und brachte soviel inneres Wissen ans Licht, dass ich richtig Lust bekomme, eine Gruppe anzubieten, die sich mit der Deutung von Märchen beschäftigt. Falls dies jemand liest und auch Lust bekommt ... bitte rührt euch bei mir. Kontaktdaten gibt es unter der entsprechenden Rubrik auf dieser Website.